Marie Nasemann

Maronen mit Marie

( Beim gemeinsamen Kochen entstehen wunderbare Dinge. Beim Schnibbeln, Schälen und Gemüse Putzen lockert sich die Zunge und man kann wunderbare Gespräche führen. ))

 

Endlich ist es mal wieder soweit – Yelda und ich unternehmen mal wieder einen Sonntagsausflug, bei dem für uns gekocht wird und wir noch eine Menge neuer Dinge hinzu lernen können.

Eingeladen sind wir diesmal bei Model, Schauspielerin und Modekennerin Marie Nasemann.

Ich freue mich sehr auf unser Gespräch, bei dem ich gerne mehr erfahren möchte über Maries Sicht auf die Dinge, was sie antreibt und inspiriert.

 

Viele, viele steile Treppenstufen führen hinauf zu ihrer Wohnung und wir keuchen ein wenig, als wir endlich oben angekommen sind. Eine strahlende Marie öffnet uns die Tür und erzählt gleich von ihrerm letzten Abenteuer: gemeinsam mit einer Kollegin aus der Schauspielschule hat sie sich (an einem Sonntag Morgen!) ein Zimmer im Stundenhotel auf dem Kiez gemietet. Die beiden brauchten einen passenden Ort für eine Filmszene, an deren Inhalt ich mich leider gerade nicht mehr erinnern kann. Es war eventuell sogar blutig....

Blut und Drama wir es heute zum Glück nicht geben, dafür aber einen leckeren Salat mit Maronen und einem Dressing mit eigens aus Israel importierten Humus – Tahini. Das klingt schonmal ziemlich gut.

 

Nach einer kleinen Wohnungsführung machen wir es uns in der wunderbar hellen Küche gemütlich. Neben dem riesigen türkisen Kühlschrank lehnt ein lebensgrosser Elvis aus Pappe, ein Fundstück vom Münchner Flohmarkt, und grinst uns in die Kaffeetassen. Wir kommen aus gegebenem Anlass auf das Thema „Essen“ zu sprechen.

 

Interview

Lena: Als Model ist das Thema Ernährung sicher wichtig für dich. Wie gehst du damit um? Achtest du sehr auf das, was du isst?

Marie: Ich achte darauf, was ich esse, möchte mir aber nichts verbieten. Es geht mir viel mehr darum, alles in Massen zu genießen und mir auch ungesundes zu erlauben. Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, dass man bewusst isst und sich damit auseinander setzt, wo das Essen herkommt. Seitdem ich in Athen auf einem Markt versehentlich in eine Gasse geraten bin, in der die Metzger ihr Fleisch angeboten haben, bin ich Vegetarierin. Diese Berge von Fleisch haben mich sehr schockiert und ich habe begonnen, mich zu fragen, wo das Tier herkommt, das auf meinem Teller landet. Ich finde es einfach absurd, in welchen Mengen Tiere getötet und gegessen werden und möchte das nicht unterstützen. Ich bin mir bewusst, dass ich mit dem, was ich konsumiere, einen Einfluss ausübe auf das, was angeboten wird. Deshalb achte ich darauf, regional und saisonal zu kaufen.

Lena: Wie ist es für dich im Bereich Mode? Es ist ja schon lange kein Geheimnis mehr, dass dort verschwenderisch mit Ressourcen umgegangen wird. Menschen arbeiten für Hungerlöhne, der Anbau von Baumwolle ist alles andere als umweltfreundlich, aber die Industrie macht Millardenumsätze. Beschäftigt dich das?

Am Theaterspielen gefällt mir, dass ich viel mitbestimmen und selbst entscheiden kann.

Marie: Dieses Thema interessiert mich tatsächlich sehr. Gerade habe ich meinen neuen Instagram – Kanal „fairknallt“ (@fairknallt) gestartet. Dort zeige ich Mode von kleinen, neueren Labels, die zum Beispiel Ökobaumwolle benutzen und ihre Kollektionen unter fairen Bedingungen herstellen.

Diese Labels haben oft wirklich schöne Teile, die manchmal ein bisschen untergehen, weil einige ihrer Styles dann doch ein bisschen zu „öko“ sind. Es macht mir Spass, diese kleinen Schätze zu finden und mit Secondhand – Mode zu kombinieren. Ich möchte also in erster Linie gute Styles präsentieren, die noch zusätzlich nachhaltig und fair produziert sind. Langfristig träume ich von einem informativen YouTube-Kanal, für den ich in Interviews mit Menschen aus der Branche hinter die Kulissen schauen kann. Das tolle an unserer Zeit ist ja, dass man für solche Pläne keinen großen Sender oder ein riesiges Budget mehr braucht, sondern seine Visionen selbst umsetzen kann. Ich möchte Menschen dazu inspirieren, durch ihr Konsumverhalten Gutes zu tun.

Lena: Das klingt sehr spannend! Wie sieht es denn in deinem eigenen Kleiderschrank aus?

Marie: Mein Ziel ist es, meinen Schrank in den nächsten fünf Jahren komplett auf EcoFashion umgestellt zu haben. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen und ist bei meinem Beruf eine Herausforderung. Alles bereits Vorhandene einfach wegzugeben, wäre ja genau so falsch.

Lena: Du bist sehr vielseitig interessiert, besuchst gerade in Hamburg die Schauspielschule. Wie kam es dazu?

Marie: Nachdem ich einige Zeit als Model gearbeitet habe, wurde ich auch häufiger für Moderationen angefragt. Für den Sender EinsPlus habe ich eine zeitlang eine Chartsendung moderiert. Das hat mir großen Spass gemacht und ich habe dort gelernt, frei und flüssig zu sprechen und vor der Kamera zu improvisieren. Dann kamen irgendwann kleine Rollen in Serien oder Fernsehfilmen hinzu. Ich wollte jedoch nicht einfach ein Model sein, das auch schauspielert. Deshalb habe ich in München an der Schauspielschule die Ausbildung begonnen und bin dann nach Hamburg gewechselt.

Lena: Diesen Sommer wirst du die Ausbildung abschließen. Was kommt dann?

Marie: Ich kann mir gut vorstellen, mal ein Gastspiel am Theater zu machen. Ein festes Engagement ist wegen meiner sonstigen Arbeit eher schwierig. Am Theaterspielen gefällt mir, dass ich viel mitbestimmen und selbst entscheiden kann. Im Gegensatz zum Film wird man als Schauspieler stark in den Entwicklungsprozess eines Stückes eingespannt. Jetzt steht noch unser Abschlusstück an, und dann freue ich mich erstmal auf den Sommer!

Lena: Gibt es Rollen, die dich besonders interessieren?

Marie: Ja, klar. Das sind schon eher die „kaputten“ Rollen, Menschen mit Abgründen. Bisher bin ich allerdings eher für braveres besetzt worden. Aber als Model kann ich ebenfalls verschiedene Rollen einnehmen, mit der Kamera spielen. Schon als Kind hat mich die Verwandlung fasziniert, die man durchläuft, je nachdem, wie man gestylt ist. Ich wollte das unbedingt machen.

Schlussteil

---> eventuell Korrektur (kann mich ans Rezept / den Vorgang nicht mehr erinnern)

In der Zwischenzeit waren wir natürlich nicht faul. Der Salat ist geschnitten, die Maronen in der Pfanne mit Butter angebraten worden. Es duftet köstlich. Marie rührt noch schnell das Dressing an, dann können wir auch schon essen.

Wir plaudern noch angeregt über unsere Lieblingsmusik, Reiseträume und Maries liebstes Kindheitsessen: „Spaghetti alla Papa“. Das waren die weltberühmten „Miracoli“ - Nudeln mit Tomatensosse, wie sie eben nur Papa aufwärmen konnte. Mit vollen Bäuchen treten wir den Heimweg an. Der Salat muss unbedingt bald nachgekocht werden!

PeopleYelda